Künstliche Intelligenz in der Fotografie

KI – Fluch oder Segen? Was macht KI mit unserer Fotografie? Wenn bald jeder Handyknipser dank KI die allerschönsten Landschaftsaufnahmen zaubert, was bleibt dann noch für uns? Wollen bzw. können wir damit konkurrieren?

Derzeit läuft Skylums LuminarAI den altbewährten Adobe Produkten Lightroom und Photoshop den Rang ab. Der Foto-Editor nutzt künstliche Intelligenz für die Bildbearbeitung. Die Technologie hilft dabei, ohne großen Arbeitsaufwand fantastische Ergebnisse zu erzielen. Mit wenigen Klicks kann man alles verändern – selbst ob jemand dick oder dünn aussieht. Augen, Haut und Zähne bei Models können ebenso leicht „optimiert“ werden wie ein Himmel ausgetauscht. Die Software schlägt die beste Vorgehensweise vor, der Fotograf wird entlastet.

Petra Gerwers beschreibt den digitalen Workflow auf ProfiFoto.de und hat sich auch das erste Update von Skylums Luminar AI angeschaut.

Fotokunst?

vorher Wanderweg im Extertal

Skylums Zielgruppe für Luminar AI sind „Fotokünstler“. Also begibt man sich beim Einsatz aller Mittel dann auf ein Feld, das nicht mehr zur herkömmlichen Fotografie gehört, sondern irgendwo zwischen Fotografie und Malerei liegt? Nur mit ohne viel Mühe? Man kann nicht nur den Himmel optimieren, sondern sogar mit einem Klick Bildelemente hinzufügen, die eigentlich im Foto gar nicht vorhanden sind. Ist das noch „legitim“?

nachher Phantasialand

Alte Diskussion – neues Gewand?

Hatten wir diese Diskussion nicht auch bereits als die digitale Bildbearbeitung die analoge Laborarbeit ablöste? Bildelemente einfügen konnte man auch schon mit Photoshop allein, vielleicht nicht ganz so mühelos. Und bearbeitet haben wir unsere Bilder auch vorher. Nur nicht so mühelos. Ist es das, was uns Bauchweh macht – die Mühelosigkeit, mit der ein Bild optimiert werden kann?

So rückt die Fotografie immer weiter weg vom Abbild der Wirklichkeit hin zu Traumzeitbildern. Allerdings ist das Abbilden der Wirklichkeit ja schon in dem Moment vorbei, wo ich meinen Bildausschnitt wähle und nur die schönen Stellen ablichte, die hässliche Mülltonne daneben aber bewusst ausspare.

Mein Fazit

Schöne Möglichkeiten der nachträglichen Bildgestaltung und Bildoptimierung mit geringem Aufwand sind mit dieser Software vorhanden. Die Bearbeitung wird sehr erleichtert. Aber wenn der Fotograf nicht den richtigen Blick für ein gutes Motiv hat, nützt auch die künstliche Intelligenz nichts. Was nach und nach verloren gehen wird, ist das Wissen um die Feinheiten der Bildbearbeitung. Man muss die Technik der Fotografie gar nicht mehr so genau beherrschen, KI macht das für uns.

9 Antworten auf „Künstliche Intelligenz in der Fotografie“

  1. Die Diskussion was ein echtes Foto und was echtes Fotografieren ist, ist schon so alt wie das Fotografieren selbst.
    Ich erinnere mich noch an entsprechende Diskussionen als die ersten Belichtungsautomaten bei Kameras herauskamen und auch als Autofokus eingeführt wurde.
    Ein Foto ist immer subjektiv, selbst die Farbwiedergabe unterscheidet sich von Kameramarke zu Kameramarke.
    Zusätzlich kommen wie bereits im Bericht genannt zusätzliche Faktoren wie Bildwinkel, Perspektive, Filtereinsatz ( der aktuelle Trend zu Langzeitbelichtungen, Pol- und Verlaufsfilter etc.) die jeder Autor und jede Autorin zum Gestalten und Aufpeppen nutzt.
    Dementsprechend finde ich ist es eine subjektive Entscheidung jedes Bildschaffenden welche Möglichkeiten eingesetzt werden um das Ziel zu erreichen ein Bild das aus eigenem Antrieb erschaffen wurde dem oder der Betrachter/in so zu Präsentieren das diese Aussage im Endbild vermittelt wird.
    Niemals wird man ein Foto als neutral und objektiv erstellen können, da zuviel eigenes jedes Bildschaffenden in ein Foto mit einfliesst.
    Wenn nun durch Programme die Möglichkeit mittels AI Bearbeitungsmöglichkeiten zu vereinfachen und aufwändige Bearbeitungen vereinfachen so ist dies gerade die Chance für Einsteiger in die Fotografie. Wer hat von uns noch nie mit Belichtungsautomaten begonnen??? Beziehungsweise nutzt sie teilweise heute noch…
    Resümee : Welche Technik eingesetzt wird sollte jede/r Autor/in für sich selbst entscheiden, denn der oder die Betrachter/in bezieht das Foto immer letztendlich auf den oder die Autorin.
    Wer weiß vielleicht ermöglicht AI (KI) letztendlich uns in Zukunft mehr Zeit uns mit der Bildgestaltung mehr zu beschäftigen als mit der ganzen Technik drumherum (Siehe Autofokus, Tracking, Zeitautomatik, Auto-ISO etc.)

  2. Wenn es Leute gibt die das Bild mögen, dann ist das Bild gut. Wenn ich irgendwann gefragt werde ob ich mit sowiso unterwegs war und wir den gleichen Himmel Fotografiert haben ,sollte ich oder man ins grübeln kommen. Viele haben in Luminar den Himmel getauscht und wenigen ist aufgefallen das immer an der gleichen Stelle ganz klein ein Hubschrauber war. Dumm gelaufen. Bei der Fotografie ist unter anderem das Auge sehr wichtig.

  3. Zum Thema Himmel austauschen, ich habe das in Luminar 4 ausprobiert. Ich finde es erstaunlich, dass ein Programm das so hinbekommt. Ein Klick und fertig. Respekt vor den Leuten, die so etwas erfunden haben. Aber wenn gesagt wird dieses Werkzeug richtet sich an „Fotokünstler“packe ich mich nur an den Kopf. Was ist denn daran bitte schön Kunst? Ich glaube eher, diese Programme richten sich an Leute die ohne fotografische Fähigkeiten und ohne sich Mühe geben zu wollen , mal eben die großen Mörderbilder rauhauen können.

    1. Ich finde, es kann schon Kunst sein, ein Bild, das an und für sich schon ganz hübsch ist, mit einem kleinen Dreh so aufzupeppen, dass ein Hingucker daraus wird. Ein Maler, der Landschaften malt, komponiert sich seine Landschaft ja auch und fügt evtl noch Dinge hinzu, die in der Wirklichkeit so nicht da waren.

      1. Liebe Judith, der Maler, der komponiert sein Bild . Der hat eine Bildidee, die er durch seinen Blick, seine Kreativtät und über sein Geschick zu einem Kunstwerk werden läßt. Das kann man nicht mit der Funktion Himmel austaschen z.B. in Luminar vergleichen wo man mit „zwei Klicks“ versucht ein Foto zu retten. Wenn man im Netz nach Photoshop-Composings sucht, stößt man schnell auf Uli Staiger. Ihn kann man mit einem Maler vergleichen der plant sein Bild, macht gezielt seine Fotos und setzt es dann zu einem Bild zusammen und verkauft es dem Betrachter dann auch wirklich als Composing.

        1. Lieber Norbert, der Fotograf tut das doch auch – ich gehe z. B. mit einer Bildidee los, suche mir das passende Motiv, achte auf die Wetterbedingungen und versuche, mit den Gegebenheiten meine Idee zu verwirklichen. Vielleicht fehlt mir aber ein Bildelement, das sich auch gar nicht einstellen will oder nicht so wie ich das möchte. Ist es da nicht legitim, das im „Labor“ zu ergänzen? Vielleicht waren die Wolken an dem Tag einfach nicht dick genug, ich mache sie einfach, wie es meiner Idee entspricht. Ist das nivht vergleichbar mit der Malerei?

          1. Nein. Ein Fotograf, also ein richtiger Fotograf, ist zum richtigen Augenblick vor Ort und schießt sein Foto. Der Landschaftsfotograf hat seine Szene im Kopf, weiß genau was er fotografieren will und sobald das Wetter/die Stimmung/der Himmel passt, zieht er los und macht das Foto. Der fängt doch nicht an und baut nachträglich irgendeinen Himmel in sein Bild ein….

  4. Wenn ich das Bild vom Extertal gemacht hätte, würde ich es ohne Bedenken auch anderen zeigen. Das bearbeitete Bild mag mir
    als Fotograf ja noch gefallen, aber dieses Bild anderen zu zeigen, könnte ich mit meiner Einstellung nicht vereinbaren.
    Gruß Klaus

    1. Genauso sehe ich das auch. Aber ich glaube, dass einige doch zu diesen Mitteln greifen werden und bei mir wachsen jetzt die Zweifel, wie viel an einem Foto noch „echt“ ist, wenn ich eine supertolle Aufnahme sehe. Und wo ist die Grenze, bis zu der diese kleinen „Kniffe“ noch akzeptabel sind? Es muss ja nicht gleich ein ganzes Gebirge sein…

Kommentare sind geschlossen.